תלמוד מהו?, נושאי ענין, תכנים, מבנה, אגדה והלכהWhat is the Talmud, III Subject matter, content, structure, 2 Aggadah and Halachah
א׳
12. Aggada und Halacha
ב׳
2In den sechs Ordnungen wird eine großzügige national-religiöse Lebensgestaltung gelehrt, auf allen Lebensgebieten und in allen Lebensbereichen gezeigt, wie die Tora durch das Volk im Verlauf seines geschichtlichen Weges zu verwirklichen sei. Erziehende Volksbelehrung ist die Aufgabe, deren Erfüllung stets beabsichtigt wird.
ג׳
3Wer nur ein wenig eingehender sich mit dem Talmud, einer seiner Ordnungen oder auch nur einem seiner Traktate oder Abschnitte befaßt, wird bald feststellen müssen: was hier zu dem großen Thema des menschlichen Lebens vom Gesichtspunkt der „Lehre” gesagt wird, ist oft verschiedenen Charakters und von ungleicher Bedeutung. Wenn etwa die Mischna in Baba Batra lehrt: „Wenn Gemeinschaftler im (gemeinsamen) Hofe eine Abteilung (um den Hof aufzuteilen) machen wollen, so bauen sie die Wand in der Mitte (jeder hat die Hälfte des Raumes für die Wand herzugeben), und zwar, wie es im Orte zu bauen üblich ist …,” so ist dies in Form und Gehalt grundlegend verschieden von der Äußerung einer anderen Mischna z. B. in Awot, die uns mitteilt: „Vier Gesinnungen gibt es bei den Menschen: Meines ist mein und Deines ist dein: eine durchschnittliche Gesinnung oder, wie manche sagen: eine sodomitische Gesinnung (die Verweigerung einer Gefälligkeit); Meines ist dein und Deines ist mein: ein Mensch aus dem gemeinen Volke (der das Eigentumsrecht nicht kennt); Meines ist dein und Deines ist dein: ein Frommer; Meines ist mein und Deines ist mein: ein Bosewicht.” Und noch weniger wird es wohl mit einer Stelle im Traktat B’rachot zu vergleichen sein, die uns über die Bedeutung von Moses erzählt: „Und er sprach zu Mosche: Geh, steig hinab! (Ex. 32,7). Was bedeutet: Geh, steig hinab? R. Eleasar erklärte: Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Mosche: Mosche, steige von deiner Würde herab; habe ich dir doch nur um Israels willen Würde verliehen, jetzt, da Israel gesündigt, wozu brauch ich deiner!?”
ד׳
4Das erste Zitat gehört in einen Gesetzeskodex, das zweite in ein Lehrbuch über „praktische” Moral und das letzte etwa in eine literarische Abhandlung über die Idee der nationalen Führung. So könnte man endlos weitere Beispiele heranziehen; immer wieder wird man neue Themen aufstellen müssen, um das eine vom anderen klar zu scheiden. Im Talmud selbst steht das alles nebeneinander. Ohne den geringsten Versuch einer systematischen Scheidung lösen die verschiedensten Themen einander ab, greifen ineinander über und schneiden sich. So vergilbt und eintönig auch eine Druckseite des Talmuds dem Auge erscheinen mag, für den, der sie lesen kann, verwandelt sie sich in ein buntes, farbenschweres, altorientalisches Gewebe voller Bewegung und lebendiger Pracht. Phantasie, religiöses Empfinden, dichterische Schau, Moral, Politik, Recht, Erzählungen, Anekdoten, Fabeln, Gesetzesvorschriften, historische, philosophische, juristische usw. Erkenntnisse stehen nebeneinander und „weben” so das „Blatt” im Talmud. Nirgends auch nur eine Spur von Eintönigkeit und Langeweile; ein großartiger geistiger Elan erfüllt jede Seite. Es wäre eine ungeheure Aufgabe, all die verschiedenen Geisteskräfte, die am Entstehen des Talmuds mitgewirkt haben, streng wissenschaftlich voneinander zu scheiden, die allerdings nur von einer ganzen Akademie von Gelehrten gelöst werden könnte.
ה׳
5Der Talmud nimmt eine Scheidung gänzlich anderer Art vor, wenn er die gesamte Materie der mündlichen Lehre in zwei Hauptgruppen verschiedenen Charakters einteilt: in Halacha und Aggada; wobei Halacha (von haloch = gehen abgeleitet) etwa die feststehende Norm bedeutet, nach welcher der Mensch zu „wandeln” habe, und Aggada (von hagged = mitteilen, erzählen stammend) den gesamten Inhalt des Talmuds bezeichnen soll, der keinen Gesetzescharakter besitzt und infolgedessen für niemanden verpflichtend ist. Daß es sich hierbei nicht etwa um das häufige und deshalb auch für den Laien so bequeme Gegensatzpaar Vernunft und Gefühl handelt, geht schon allein daraus hervor, daß einerseits vieles in der streng fordernden Halacha vom Gefühl bestimmt worden ist, andererseits der weite Umfang des Aggadischen keinesfalls nur auf das Gefühls- und Effektmäßige zurückgeführt werden kann. Das „Gefühl” hat an der Entstehung der Aggada nicht mehr Anteil als die Vernunft oder irgendeine andere Geisteskraft. Unzählige Aggadot, die uns einen tiefen Blick in die Zusammenhänge des Lebens verraten, beweisen dies. Aggada und Halacha sind nicht der Ausdruck für zwei gegensätzliche Strömungen im Judentum. Die schönsten und bedeutendsten Aggadot stammen von den bedeutendsten Lehrern der Halacha. Die größten Halachisten waren die größten Aggadisten, und auch die Aggada der Aggadisten ist uns nur durch die Halachisten überliefert worden.
ו׳
6So paradox es auch klingen mag, man begreift den Unterschied zwischen Aggada und Halacha nicht, wenn man das Trennende sieht.
ז׳
7Aggada und Halacha können keine Scheidung des talmudischen Stoffes bedeuten. So aufgefaßt wäre nur Halacha als Gesetz, Norm, eindeutig und für das Gemeinte auch umfassend, nicht aber Aggada — Bericht oder Erzählung, denn nur ein kleiner Teil des Nicht-Halachischen im Talmud kann als Bericht oder Erzählung bezeichnet werden. Keinesfalls kann man den nicht-halachischen Teil der mündlichen Lehre mit den Worten: Erzählung, Fabel, Märchen, Dichtung, Phantasie usw. ausreichend kennzeichnen. Gewiß, die Aggada enthält all diese Momente, aber nicht im geringsten ist sie durch derartige Bezeichnungen in ihrem Wesen und auch nicht einmal annähernd in ihrem Umfang bestimmt. Wie man etwa das literarische Schaffen des 19. Jahrhunderts nicht einteilen kann in Gesetzesbücher und Romane, wobei diese die Bedeutung haben müßten: das Nicht-Juristische, ebenso unmöglich ist es, den Talmud systematisch in seine verschiedenen Bestandteile auflösend in Halacha und Aggada zu scheiden.
ח׳
8Nur wenn man das Einigende sieht, erkennt man die Bedeutung und auch Korrektheit der Einteilung in Halacha und Aggada. Wie sehr Halacha und Aggada zusammengehören, erkennt man am besten dort, wo sie zum erstenmal in Erscheinung treten, nämlich in der Bibel. In der Bibel selbst finden wir Halachisches als verpflichtende Norm und gültiges Gesetz und Aggadisches in Form von Erzählungen und Berichten. Was die Halacha und Aggada der Bibel eint, ist die Tora — die „Lehre”. Der Bericht ist nicht Selbstzweck — die Bibel ist kein Roman; und auch das Gesetz ist nicht das Ziel — die Bibel ist kein Gesetzeskodex. Die Bibel ist Tora, und Aggada wie Halacha der Bibel weisen über sich hinaus — auf die Lehre; sie führen zur Lehre. Halacha ist nicht das Endziel, sondern ein Erziehungsmittel zur Lehre, und auch die Aggada ist nichts anderes, sie unterscheiden sich nur in der Methode.
ט׳
9Man begreift dies am besten, wenn man die beiden Worte nicht bloß grammatikalisch aus ihren Wurzeln erklärt, sondern auf die Sinnzusammenhänge zurückgreift, aus denen sie stammen. Rein „grammatikalisch” sind beide Begriffe überhaupt nicht zu erklären. Halacha = Gesetz von haloch = gehen abzuleiten, weil der Mensch „nach dem Gesetz zu wandeln habe”, ist selbst schon ein Stück Aggada, ist Homiletik. So konstruiert das Leben, die Wirklichkeit keine Begriffe. Halacha stammt nicht aus „haloch”, sondern aus einem Vers der Bibel, der sich in verschiedenen Variationen oft wiederholt und in welchem immer wieder die Rede ist von dem „Weg des Ewigen” oder dem „Weg, den der Ewige, Euer Gott, Euch befohlen hat” und den jeder Mensch „gehen soll”. In Hinsicht auf diesen konkreten „Weg” und auf dieses von der Lehre tatsächlich geforderte „Gehen” wird das Gesetz Halacha genannt. Und auch Aggada oder Haggada ist nicht „grammatikalisch” aus hagged = erzählen abzuleiten, sondern geistesgeschichtlich aus biblischen Wendungen wie „w’higaddta l’wincha bajom hahu — und du sollst es mitteilen deinem Kinde an jenem Tage” (2. Buch M. Kap. 13,8), oder wie: „sch’al awicha w’jagedcha — frage deinen Vater und er wird es dir mitteilen”. In beiden Fällen bedeutet „Haggada = Mitteilung, Erzählung”, nicht Dichtung, Legende, Phantasie usw. Durch das „Teile-es-mit-deinem-Kinde” ist dem Vater nicht etwa die Pflicht auferlegt worden, am Peßachabend seinem Kind „Geschichten” zu erzählen, sondern Geschichte. Das Kind soll über die geschichtlichen Zusammenhänge belehrt werden, die zum Peßach-gebot, zur Peßach-Halacha führten. Die Peßach-Haggada lehrt die Bedeutung der Peßach-Halacha. Und welche Aggada meint das andere Zitat? Man nehme die Bibel und lese (5. Buch M. Kap. 32,6): „Ist er dein Vater nicht, dem du zu eigen, der dich geschaffen und bereitet hat? Gedenk der Urzeittage, merk auf die Jahre Reih um Reih! Frage deinen Vater, daß er dir es künde; die Alten dein, daß sie dir es sagen!” Man sieht, es ist die geschichtlich erfahrene Bestätigung zu der Halacha „Er ist dein Vater …” gemeint, oder mit anderen Worten: die geschichtlich erfahrene Wahrheit zu dem fordernden und verpflichtenden Gebilde — Judentum, die von den Geschlechtern der jüdischen Geschichte erlebte Bestätigung für die gesamte Halacha, für „den Weg, den Gott euch befohlen hat, um ihn zu gehen”.
י׳
10Von hier aus können wir erst das Wesen der Haggada und ihre Beziehung zur Halacha bestimmen. — Die Aggada ist die zur Lebensweisheit gewordene Lebenserfahrung der Geschlechter, sie ist die Weisheit der Zeiten, die „Mitteilung vom Vater an das Kind”, die dem Menschen in seinem Leben gewordene Lehre; die Halacha dagegen ist die dem Menschen gegebene Lehre, die „Mitteilung von Gott an den Menschen”. Die Aggada ist wie „Lehre von unten”, sie wird in der Zeit; die Halacha die „Lehre von oben”, sie ist in Ewigkeit. Beide aber meinen das gleiche — die Tora; die Halacha zwingt zu ihr, die Aggada führt zu ihr. Die Halacha befiehlt, die Aggada lehrt. Die Halacha normiert das äußere Verhalten, die Aggada schafft innere Bereitschaft. Was bedeutet Halacha ohne Aggada? — Normiertes äußeres Verhalten ohne innere Bereitschaft, also — Drill. Was ist Aggada ohne Halacha? — Innere Bereitschaft ohne Entscheidung nach außen, also ein unmögliches Ding, oder wenn es doch für möglich ausgegeben wird — Phrase, Lüge.
י״א
11Aggada führt zur Halacha und Halacha setzt Aggada voraus.
י״ב
12Dies und damit die innere Beziehung zwischen Aggada und Halacha mögen im folgenden dargelegt werden. — Die Aggada als die „Weisheit der Zeiten”, die von Menschen stammt, ist subjektiv; die Halacha, von Gott gegeben, ist objektiv, sie gilt. Weil die Aggada subjektiv ist, kann sie nicht gültige Norm sein. Sie ist nicht verpflichtend, und trotzdem „gilt” sie in einem bestimmten Sinn. Als die Weisheit der Zeiten gilt sie in der Zeit als subjektive Wahrheitserkenntnis für das Subjekt. Sie gilt im „Jetzt” immer in irgendeinem Sinn. Die Aggada ist immer subjektive Halacha.
י״ג
13Jede subjektive Welterfahrung strebt aber nach Wahrheit, d. h. nach Objektivität, nach allgemeiner Geltung. Die Weisheit der Zeiten strebt zur Ewigkeit, Aggada zu Halacha. Indem Aggada sich entwickelnd und vollendend der Wahrheit sich nähert, streift sie immer mehr von ihrer anfänglichen Subjektivität ab, sie objektiviert sich und wird so allmählich zur Halacha, so daß wir sagen können: Halacha ist objektivierte Aggada. Sobald Aggada ihren Höhepunkt erreicht, muß es möglich sein, sie in Halacha zu verwandeln. Die Halacha bildet die höchste Stufe, die allerletzte Konsequenz der Aggada.
י״ד
14Diese enge Beziehung zwischen Aggada und Halacha soll an einigen Beispielen verdeutlicht werden:
ט״ו
15a) In Genesis Kap. 18 liest man die Geschichte der Bewirtung der „drei Männer” durch Abraham. Dies ist eine Aggada, eine Mitteilung aus dem Leben der Väter, eine Episode, in der eine gewisse Lebenshaltung der Väter sich widerspiegelt, die zwar niemanden verpflichtet, für niemanden „gilt”, die aber trotzdem jeden bildet und „lehrt”. Für Abraham selbst war die Bewirtung keine Aggada, für ihn war sie Verpflichtung, Gebot, inneres Gesetz. Wir sehen vor uns das typische Beispiel einer Aggada, die subjektive Halacha ist. Sie galt für Abraham, sie brauchte aber für seinen Sohn Isaac nicht verpflichtend zu sein. Diese Aggada der „Gastfreundschaft” entwickelte sich nun weiter, und einen wichtigen Teil ihrer Fortsetzung findet man im Talmudtraktat Kiduschin (32b). Wir lesen da:
ט״ז
16„… Einst waren Rabbi Elieser und Rabbi J’hoschua und Rabbi Zadok beim Hochzeitsmahl des Sohnes Rabbi Gamliels und R. Gamliel stand vor ihnen und schenkte ein. Er reichte R. Elieser einen Becher und dieser nahm ihn nicht, er reichte ihn R. J’hoschua und dieser nahm ihn wohl. Da sprach R. Elieser zu ihm: Was soll das, J’hoschua, wir sitzen und lassen Gamliel Beribbi vor uns stehen und einschenken!? Dieser erwiderte: Wir finden einen, der größer war als er und andere bediente. Abraham war größer als er und er bediente andere. Abraham war der größte des Zeitalters, und von ihm heißt es: ‚er stand vor ihnen‛ … Weshalb soll nun R. Gamliel nicht vor uns stehen und uns einschenken.”
י״ז
17Die Aggada von der Gastfreundschaft nähert sich ihrer Vollendung; sie „gilt” bereits auch für andere. Sie wird Jahrtausende nach Abraham zum Gebot für einen Rabban Gamliel. Die Erkenntnis dringt allmählich durch: So soll man seine Gäste bewirten. Sie wird von Rabbi J’hochua anerkannt, der im gegebenen Fall genau so handeln würde. — Man lese aber weiter:
י״ח
18„Hierauf sprach R. Zadok zu ihnen: Wie lange noch wollt ihr die Ehre Gottes lassen und euch mit der Ehre von Menschen befassen. Der Heilige, gebenedeiet sei er, läßt Winde wehen, Wolken aufsteigen, Regen fallen, die Erde sprossen und richtet jedem eine Tafel her; weshalb soll nun Gamliel Beribbi nicht vor uns stehen und einschenken. —”
י״ט
19Man sieht: die Aggada wird vom Subjekt, von Abraham losgelöst, man stößt zum Kern der Sache vor, zur Wahrheit. Die Aggada objektiviert sich und es ist durchaus denkbar, daß sie eines Tages zu der Halacha wird: Wer Gäste bewirtet, hat stets die Pflicht, sie selbst zu bedienen. Dies wäre dann die Halacha, die nichts anderes ist als die objektivierte Aggada.
כ׳
20b) Ein anderes Beispiel:
כ״א
21Gott spricht zu Kain: „Die Blute deines Bruders schreien zu mir” (wörtlich). Dazu bemerken die Weisen: „Es heißt nicht: das Blut deines Bruders, sondern ‚die Blute‛ — sein Blut und das Blut seiner Nachkommen … Dies lehrt dich, daß jedem, der ein Menschenleben vernichtet, seine Tat so angerechnet wird, als hätte er eine ganze Welt vernichtet.” Auch dies ist eine Aggada, allerdings eine der reifsten Aggadot, ein aggadischer Höhepunkt. Und nun lese man die Quelle selbst nach. Sie befindet sich in Sanhedrin (37a): Auf welche Weise werden die Zeugen in Todesstrafsachen eingeschüchtert? Man führt sie hinein und schüchtert sie (durch folgende Worte) ein: Vielleicht sagt ihr dies aus Vermutung oder vom Hörensagen oder (wißt ihr es) aus dem Mund anderer Zeugen … oder vielleicht wißt ihr nicht, daß wir euch später einer Untersuchung und Ausforschung unterwerfen werden. So wisset, daß bei Todesstrafsachen es sich nicht so verhält, wie bei Geldsachen; bei Geldsachen kann man einen Ersatz leisten und Sühne erlangen, bei Todesstrafsachen aber bleibt an ihm das Blut (des Hingerichteten) und das Blut seiner (möglichen) Nachkommen haften bis an das Weltende; denn so finden wir es auch bei Kain, der seinen Bruder erschlug, wie es heißt: ‚Die Blute deines Bruders schreien …‛, es heißt nicht: das Blut deines Bruders, sondern: die Blute deines Bruders, sein Blut und das Blut seiner (möglichen) Nachkommen.”
כ״ב
22Die Aggada hier gilt also, sie muß für jeden, folglich auch für die Zeugen gelten, sie hat sich objektiviert und ihre Konsequenz ist Halacha. All die halachischen Unterschiede zwischen „dineh m’manot” (Gesetze in Geldsachen) und „dineh n’faschot” (Gesetze in Todesstrafsachen) sind das Resultat dieser Aggada über die Bedeutung eines einzigen Menschenlebens.
כ״ג
23Allerdings unterscheidet sich die biblisch-talmudische Halacha insofern von jeder anderen „Halacha”, als sie nicht geistesgeschichtlich geworden ist. Durch die Offenbarung am Sinai kam Gott vielmehr der Aggada entgegen. Indem Gott uns die Tora „gab”, nahm er die endgültigen Konsequenzen der Aggada vorweg. Während wir durch die „gegebene Halacha” die Lehre tun und erfüllen, bemühen wir uns in der „werdenden Aggada”, sie voll zu begreifen und so das „Gegebene” zu empfangen. Solange es nicht empfangen wird, ist es das „Gesetz” von außen; haben wir es empfangen, so wird es zur inneren Gesetzmäßigkeit unseres Lebens. Halacha ohne Aggada ist die Marschroute, erst durch die Aggada wird Halacha zum Lebensweg.